Das Warten auf Überraschendes

Regenpause in der Donbass-Arena - alles fake?

Regenpause in der Donbass-Arena - alles fake?

Der deutsche Halbfinalgegner steht fest. Und mit Italien haben wir ja ohnehin noch ein, zwei, drei oder vier Rechnungen offen. Gut also, dass die ganz schön fußkranken Engländer nicht weiter gekommen sind. Es hätte den Finaleinzug entwertet.

Es hat ja was für sich, Fußball auf der Couch daheim zu gucken. Da lernt man von ARD-Kommentator Steffen Simon nämlich, dass sich die Zeit der goldenen englischen Generation dem Ende zu neigt. Aha! Hat der gute Mann nicht mitgekriegt, dass die goldene Generation der Engländer Namen trug wie Rio Ferdinand, David Beckham, Paul Scholes, Gary Neville, Michael Owen oder Sol Campbell. Die jungen Hüpfer damals hießen Lampard oder Terry, heute längst alte Hasen im Winter der Karriere.

Da neigt sich nichts dem Ende zu. Da ist etwas längst zu Ende, was vor allen Dingen eines nie war: Golden! Die Engländer sind immer heim auf die Insel gedüst, wenn die anderen sich zum richtig großen Fußball getroffen haben. Wie auch jetzt wieder. Nein, so imponierend stark (leider auch stark verschuldet) die Premier League sich präsentiert, die “Three Lions” erinnern immer an den Löwen, der kraftvoll und mutig abspringt, um schließlich als Bettvorleger zu landen. Die immer schlimmer werdende Leistung am Sonntag besaß schon etwas von Feigheit vor dem Feind, dass sie sich ins Elfmeterschießen retten wollten, offenbart die ganze Verzweiflung dieser blechernen Generation – das können sie nun wirklich nicht! Da ändert auch Chelseas Sieg gegen die Bayern nichts dran.

Nein, überraschend war das Aus nicht. Wie überhaupt wenig überrascht bei dieser EURO. Aber das soll Oliver Bitter euch erzählen. Viel Spaß dabei!

“Drei Spiele noch. Halbfinale Donezk, Halbfinale Warschau, Endspiel Kiew, finito. Schicht. Aber ich warte. Ich warte immer noch.

Ich warte auf Überraschendes.

Spanien, Portugal, Italien und Deutschland sind im Halbfinale unter sich. Überrascht das wirklich jemand? Ist der Papst katholisch?

Das ist ein Einlauf, den wohl 99 von 100 Fußballfreunden genau so erwartet hätten. Und der eine, der was anderes tippte, ist wahrscheinlich Holländer. Okay, dass die Oranjes ohne jeden Punkt nach Hause fahren, das ist schon ein bisschen überraschend. Aber nur ein bisschen.

Und sonst? Dass die Russen stark starten und dann abbauen? Schon oft gesehen. Dass die Iren toll singen, aber nicht so klasse Fußball spielen? Wissen wir. Dass der gute alte Trap nach drei Spielen fertig haben würde, das haut uns nicht wirklich um. Dass es für die beiden Gastgeber-Länder letztlich nicht ganz bis ins Viertelfinale reichen würde? War eigentlich klar.

Wo also sind die Dänen, die vom Strand kommen, zwischendurch schnell bei McDonald’s einen Big Mac einwerfen und dann den Gegner frisch von der Leber weg vom Platz fiedeln? Kann mal jemand Richard Möller-Nielsen reaktivieren?

Wo sind die Griechen, die viel mauern und ein bisschen ins Tor treffen, wie damals unter Rehhakles, und alle erstaunen?

Wo bleibt der richtige Hammer der Euro 2012?

Hier in Donezk, dem östlichen Außenposten, haben sie sich wenigstens ein bisschen Mühe gegeben mit ihren Inszenierungen. Hier schwingen sie wirklich vor jedem Spiel den Hammer. In echt. Denn in Erinnerung der Tradition als Industriestandort zeigen sie in der Donbass-Arena vor jedem Match eine Choreographie, in der ausgewählte junge Menschen in Blaumännern (die hier übrigens orange sind) mit überdimensionalen Hämmern aus Plastik über den Rasen tanzen.

Und nun zu den richtigen Hämmern. Denn in zwei der vier Spiele haben sie sich hier wirklich mal Überraschendes ausgedacht. Wenn sonst schon so wenig passiert.
Nummer eins: Das Gewitter beim Spiel Ukraine gegen Frankreich. Alles fake. Hier sind jeden Tag mindestens 30 Grad, kein Wölkchen ist zu sehen. Und hier soll plötzlich ein Gewitter niedergehen, just als die ganze Welt nach Donezk schaut, oder zumindest Fußball-Europa? Unsinn. Alles von irgendeinem Oligarchen arrangiert und von der Stadionregie eingespielt, damit dieser Flecken im Osten der Ukraine mit dieser einstündigen Spielunterbrechung nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Nummer zwei: Das Nicht-Tor der Ukrainer gegen England. Hat wirklich jemand geglaubt, die komplette ungarische Combo der etwa 25 Unparteiischen hätte nicht gesehen, dass der Ball meilenweit hinter der Line war? Unsinn. Alles abgesprochen, um mal was wirklich Überraschendes zu bieten. Eine Szene, über die die Leute reden, anstatt schon auf dem Nachhauseweg zu vergessen, wer da eigentlich gegen wen gespielt hat. In Donezk damals… weißt du noch?

Und sonst?

Drei Spiele bleiben noch für so ein richtiges Überding auf dem Platz. Die Frage stellt sich: Was könnte uns da mal so richtig überraschen?

Da gibt es schon noch was. Wenn Cristiano Ronaldo, statt immer so eine Welle beim Freistoß zu machen, mal anläuft wie ein vernünftiger Mensch und nicht dasteht wie John Wayne. Oder wenn Mesut Özil mal ein Kopfballtor macht, das wär doch was. Oder wenn Mario Gomez mal gefeiert würde als der deutsche Spieler mit der größten Laufleistung. Das würde mich dann wirklich mal überraschen.”

6 Gedanken zu “Das Warten auf Überraschendes

  1. Sind Sie sicher, dass Sie beim kicker richtig sind? Ihre zwei Blogeinträge lesen sich eher wie ein von Fox Mulder veröffentlichtes Pamphlet, das irgendwelche Verschwörungstheorien beinhaltet. Es ist schon irgendwie belustigend, aber ich frage mich was das soll von arrangiertem Regen zu reden…oder von Toren, die nie gefallen sind, jedoch im TV gezeigt werden, da die FIFA Herr über das Bildmaterial ist.
    Soll das was Sie schreiben provozieren? Muss denn immer alles sensationell sein? Es schadet nicht, wenn die EM einfach “normal” verläuft – was ja auch wiederrum subjektiv ist.

  2. Naja Herr Bitter – hinterher nicht überrascht zu sein ist einfach. Ich gehe jede Wette ein, sie hätten den selben Text geschrieben, wenn statt Portugal dort jetzt die Niederlande stehen würden….

  3. Herr Lußem, hier bestätigt sich das, was sich den ganzen Blog über schon abzeichnet – Sie verstehen das Spiel der Ironie und des Zynismus nicht.
    Wenn Sie auf etwas Überraschendes warten, dann vielleicht auf den ersten Leser, der über solche Dinge wie “FAKE! Regen-Inszenierung” oder Ihre “Fake-Pointen” zum Artikel über Jogis Spielchen mit dem Balljungen tatsächlich schmunzeln kann.

  4. Ernsthaft, ja? Alles inszeniert? Ihr Text kommt mir wie ein fußballerisches Pondon zur amerikanischer Verschwörungslust vor.

  5. In einem Punkt muss ich dem Autor Bitter aber recht geben (auch wenn er es nicht wagt, es voll auszusprechen)

    Was der Steffen Simon (ARD) da für einen Stuss fabuliert, das geht wirklich auf keine Kuhhaut. Mann, was hab ich z. T. Kritisches über Béla Rethy (ZDF) gelesen! Aber Rethy ist ja wohl ein Waisenknabe gegen das, was uns Simon hier ablässt! S. S. mag ein hervorragender Moderator sein; aber bitte nicht im Sport.

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