Das Wort zum Sonntag – mit Jesus persönlich …

Jesus, Maria und Juan in der Hitze von Donezk

Jesus, Maria und Juan in der Hitze von Donezk

Nach knapp zwölf Stunden Fahrt kam ich gestern gerade noch rechtzeitig in Köln an, um mir das Viertelfinale Spanien gegen Frankreich anzusehen und ich gebe zu: Ich war froh, als es vorbei war und ich beruhigt in die Falle gehen konnte. Wenn die Spanier nicht zu ihrer Zielstrebigkeit finden, wird Tiki-Taka schnell zu Taka-Tuka und die “Rote Furie” mutiert zum “Kleinen Onkel”, wie Pippi Langstrumpf ihr Pferd nannte. Natürlich imponiert auch mir diese Passgenauigkeit, diese verblüffende Dominanz und diese Jagd auf den Ball tief in der gegnerischen Hälfte. Doch mich überkommt bisweilen der Eindruck, dass da etwas fehlt, dass dieser eng gewobene Pass-Teppich an den Seiten langsam ausfranst. Vicente del Bosque fand bislang kein überzeugendes Offensivkonzept. Lassen wir das Spiel gegen die überforderten Iren mal raus, dann bleiben 16 Torchancen in drei Spielen – das ist nicht so überzeugend angesichts der mitunter erdrückenden Überlegenheit und Ballbesitzanteilen von rund 70 Prozent. Bei den Deutschen sind es zwar nicht mehr, die haben aber den Trend auf ihrer Seite – gegen Griechenland gab es Top-Möglichkeiten gleich im Dutzend. Ich bin sicher: Wer die Pass-Frequenz der Spanier einschränken und Akzente nach vorne setzen kann, der wird den Titelverteidiger schlagen können. Denn die Abwehr ist anfällig, das zeigte sich deutlich im Auftaktspiel gegen Italien und mit Abstrichen gegen Kroatien, Sergio Ramos und Pique offenbarten dort eine Menge Probleme, wenn es schnell wurde. Und die Außenverteidiger finden zu selten die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive.

So sehe ich es – Millionen Spanier werden es anders sehen.

Dass es mindestens einer so sieht wie ich und Deutschland als Europameister tippt – das erzählt Kollege Oliver Bitter in seinem neuen Donezk-Döneken. Aber lest selbst:

“Ich kann da ganz offen drüber reden. Ich hab ja mal wieder ein Ründchen gedreht. Dabei habe ich Jesus getroffen, und er hat zu mir gesprochen. Nicht in der Kirche, sondern auf offener Straße, auf dem Puschkin-Boulevard, da wo Donezk am schönsten ist. Wo nette Bänke zum Verweilen einladen in piekfeinen Parkanlagen, wo die Blumenbeete aussehen, als würde sich jeden Tag eine ganze Kompanie Frauen liebevoll um jede einzelne Pflanze kümmern. Was übrigens tatsächlich der Fall ist.

Dort also traf ich Jesus.

Klasse, wird der geneigte Leser jetzt sagen, wir haben es ja schon immer vermutet. Ständig Borschtschtschtsch futtern, zu viel Kwas trinken, jeden Tag mindestens 30 Grad und immer die volle Sonne auf die Birne, nie ‘ne Kappe tragen – das war ja klar, dass der irgendwann abdreht.

Njet, liebe Freunde, alles im grünen Bereich im östlichen Außenposten der Euro 2012. Das liegt vielleicht auch an Jesus. Also eigentlich “Chchesus”, wie er sich vorgestellt hat, mit diesem einzigartigen spanischen Laut von ganz tief hinten, den höchstens die Koryphäen in unserem Spanisch-Kurs so hinbekommen haben. “Cchhesus”, dieser Jesus also, kommt nicht aus Nazarath, sondern aus Madrid und arbeitet als Fan-Polizist. Er ist während der EM mit den Freunden des Tika-Taka-Fußballs auf Tour – und kriegt auch noch Geld dafür.

Bis jetzt war’s ein lauer Job, sagt Jesus. Alles ruhig bisher in Polen und auch jetzt in Donezk. Verliert mal einer seiner Landsleute seinen Pass oder gerät in eine handfeste Auseinandersetzung, dann springt Jesus ein und hilft. Bisher ist aber nichts passiert. Klingt ganz nach einer friedlichen Veranstaltung. Das gleiche hat mir nämlich auch sein Kollege Paul aus dem englischen Hull erzählt, der zuvor mit den englischen Fans hier auf Tour war.

Die Engländer sind weiter gezogen, nun kommen die Spanier. 8000 waren es beim Spiel gegen Italien in Danzig, sagt Jesus, 3000 sind hier in Donezk. Damit aber auch schon genug der Zahlen. Kommen wir zu dem, was wirklich zählt. Si claro, das Halbfinale ist erreicht, war klar. Und dann kommt seine wahre Prophezeiung. Es wird ein Finale geben, und es werden sich Spanien und Deutschland gegenüber stehen, sagt er so oder so ähnlich, und siehe da, es wird großes Wehklagen geben auf Seiten der Spanier, denn die Deutschen werden obsiegen. Okay, das war jetzt nicht die wörtliche Wiedergabe, aber der Kern seiner Botschaft ist klar: Der Spanier hat Bammel. Sagt Jesus. Der Welt- und Europameister denkt voller Respekt an Schweini, Khedira, Reus und Konsorten. Bravo, Jesus, gracias. Der Mann muss es schließlich wissen, er ist ja ständig hautnah dran am Geschehen.

Wie belastbar diese Aussage ist, ob der Spanier an sich also genau so denkt, habe ich dann nicht mehr überprüft. Jessesmaria, ich musste ja schon ein wenig schmunzeln. Denn dann hat Jesus mir seine beiden Fan-Polizisten-Kollegen vorgestellt, und ich habe mich verstohlen umgeschaut, ob vielleicht irgendwo eine versteckte Kamera verborgen ist und einer von „Verstehen Sie Spaß“ wie einst Zieten aus dem Busch kommt. „Das ist Juan aus Valencia. Und das ist Maria“, sagt Jesus ganz ernst, und wahrscheinlich ist ihm das Lustige an der Situation komplett entgangen.

Künstlernamen? Jesus, Maria und Juan. Juan – das klingt ja fast wie Jupp, Josef also, zu schön, um wahr zu sein, aber ich schwöre, dass die Namen nicht erfunden sind.

Dann mussten die Drei weiter. Eine Krippe suchen? Nein, Quatsch, Jesus war ja schon dabei. Weihrauch? Höchstens einen café con leche. Oder, wenn schon, dann einen anständigen spanischen Rotwein. Was für wirre Gedanken. Morgen geh ich nicht mehr in die pralle Sonne.”

11 Gedanken zu “Das Wort zum Sonntag – mit Jesus persönlich …

  1. Unglaublich, was man für einen sinnfreien schrott hinterlassen kann, herr lußem. zum wiederholten male schreiben sie nur müll

  2. lassen sie sich gesagt sein, dass es leute gibt, die’s unterhaltsam finden. wenn es be ihnen anders ist, lesen sie’s doch nicht.

  3. Fußballnachrichten wie ich sie mag. Stimmungsbilder wie ich sie mag, fast so als wäre ich dabei. Gruß Rosa B.

  4. I presume that the next game is as always the most important one. Having never won against the Italians in a championship tournament, it will be a tough feat for the boys from Germany. But if this young team is not able to defeat the ghosts of the past, then indeed the future will look bleak when facing Italy or Brazil in two years time at WC2014.
    For Spain, well, it appears that the formula of passing the ball round-and-around has expired its usefulness, and with good passing and a few “death strikes” Germany can use its lever to beat two unbeatable teams.
    Hope to see you soon with a big smile – your former classmate Ralf

  5. Hallo,

    ein Spanier kann mit Juan (Johann) eigentlich nichts im Kontext anfangen.

    Wenn dann Jesus, Jose y Maria.

    Grüssle

  6. der juan hat mit josef nichts zu tun, das wäre der josé. josé, maria und jesus wäre witzig gewesen. aber eben auch nur für einen deutschen.

    irrland aussen vor lassen und das spiel gegen die griechen hochjubeln. weil die griechen ja so stark sind? ja ne is klar. du hast von fußball so viel ahnung wie ein fisch vom fliegen.

  7. zum test – auch ob hier noch gelesen/gearbeitet wird:

    ich empfand und empfinde es als unerhörte frechheit (durch die EM wiedereinmal zutage getreten), orte in ehemals deutschen gebieten (warum auch immer das so war), entfremdet, falsch oder wie auch immer genannt werden. ein wortstamm wie in moskau/moskva/moscow/. . . ist basis für die sprachliche divergenz.

    doch völlig neu vergebene namen (von den deutschen), die auh keine übersetzung darstellen, treiben es in der heutigen benutzung auf die spitze. bsp: bozen, breslau, hirschberg (doksy/CZE), eisenstadt, Dennewitz (Pryamobalka/UKR), Friedrichsdorf (Klenowez/UKR), Schweinsdorf (Turnu Rosu/ROM – was z. b. “roter turm” heißt), . . .

    das sind für mich unerklärliche verwendungen.

    aber: flüsse, die durch mehrere länder/regionen führen, haben verständlicherweise verschiedene namen (meist aber doch im wortstamm verwandt).

    ich will mal noch recherchieren, ob das irgendwo in der welt auch noch so exzessiv benutzt wird. von anderen gebietshaltern, eroberern oder geschichtsbeflissenen.

    fakt ist: heut ist heut; und das verlangt die verwendung des heutigen.

    gerade bei der sportlichen (etwas politisch belasteten) bereichtrstattung und erst recht: bei den öffentlich rechtlichen!

    oder hat irgendwo auf der welt jemand dem “Eyjafjallajökull” einen anderen namen gegeben (etwa “schmutz, der in die wolken steigt”, “meefwolk”, “smutwonde”, . . .)?

    ich bin gespannt auf regen austausch.

  8. Nett geschrieben, leider zeigt der Autor, dass er von der spanischen Sprache nicht die leiseste Ahnung hat. Aus “Juan” einfach einen Josef zu konstruieren und an Weihnachten zu erinnern, grenzt an Volksverdummung. Wenn der Autor wenigstens die biblische Geschichte von Jesus am Kreuz mit Maria und dem Jünger Johannes (“Juan”) gebracht hätte (Johannes wurde von Jesus als Versorger für seine Mutter Maria eingesetzt)! Aber wirklich, der Autor schreibt irgendeinen Blödsinn zusammen. Zum Fußball: Ich glaube, kein Team ist bisher ohne Fehler durchgekommen, auch Deutschland nicht. Die Griechen waren kein echter Maßstab, bei Druck fielen die auseinander wie ein Kartenhaus. Und Deutschland hatte im ersten Spiel Riesenglück. Also: die EM bleibt spannend!

  9. Hallo Ralf, wo treibst du dich rum? Schön, von dir zu hören. Aber es ist verdamp lang her, oder? Von wo liest du den kicker?

    Liebe Grüße, Frank

  10. Hi Frank,
    I continue in English as the keyboard is not really made for “Umlaute”; sorry for that!
    It is indeed a long time since we’ve met or have exchanged news – must be more than 35 years.
    For the last 23 years I’m working overseas in construction, and now in Oil&Gas, here and there around the world. Currently I’m in Yokohama, Japan, and as this interesting country from the east is tech-savvy, it is no problem to stay in touch with news from home.
    Who likes to miss the excitement of the Bundesliga or the ongoing EURO? I reckon nobody – at least I feel lucky to be able to read “kicker” on a daily basis.
    Would be nice to meet at a class reunion and catch up on our lives stories,
    until then, crossing my fingers for our team – heartfelt regards from the country of Samurai Blue – Ralf

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