Gedanken zum Abschied

Fans in Breslau

Fans in Breslau

Es blieb am Ende nur der leise Unmut über das Wetter. Alles andere war optimal. Hotel, Trainingsplatz, Infrastruktur – Polen erwies sich als toller Gastgeber, wenn die Sonne schien, als perfekter!
Nun geht es nach Warschau und mit dem Schlusspfiff der Partie unserer Nationalmannschaft gegen Italien endet am Donnerstag die EURO in Polen.

Es ist viel darüber spekuliert worden, ob die Milliarden, die in Stadien, Bahnhöfe, Flughäfen und Straßen gesteckt wurden, sich rentieren. Ich bin der Meinung, man kann es nicht aufrechnen, man wird nie behaupten können: „Dies lohnt sich, das nicht.“

Aber wer das Polen von heute mit dem von vor 15 Jahren vergleicht, der muss konstatieren: Das Land lebt, es entwickelt sich, es ist jung und mitten im Sprung. Attraktive Städte, gastfreundliche Menschen, befahrbare Straßen, Berge im Süden mit hochentwickelten Wintersportorten, im Norden die Ostsee mit ihren Kur- und Badeorten, dazwischen immer wieder Kulturstädte wie Breslau, Warschau oder Krakau. Selbst die oberschlesische Kohle-Region um Kattowitz, Chorzow, Zabrze oder Bytom beginnt mit der vorsichtigen Rekultivierung.

Die Verfehlungen der jahrzehntelangen kommunistischen Planwirtschaft mit ihren schlimmen Bausünden sind auch heute noch deutlich sichtbar. Doch sie verblassen zunehmend, man schafft es mittlerweile viel einfacher, an den Klötzen vorbei zu schauen und die liebevoll restaurierten Innenstädte zu bestaunen.

Polen – das bestätigten mir Dutzende von Kollegen – wird in Zukunft mehr denn je eine Reise wert sein. Der Co-Gastgeber der EURO 2012 machte ungewollt den Partnern aus der Ukraine deutlich, woran es zwischen Lemberg und Donezk hakt. Bei aller Mühe, die man sich gab, bei allen liebevollen Versuchen, den Gästen den Aufenthalt schmackhaft zu machen: Die Ukraine ist das Tor zum Osten, Polen gehört längst zum Westen.

Am Ende bleibt, was man sich vorher bereits dachte, allerdings nicht mit dieser Nachhaltigkeit: Polen schrieb tatsächlich eine Erfolgsgeschichte, die sich nachhaltig positiv auswirken sollte.

Ach ja. Das Wetter hätte besser sein können! Und so richtig gut kicken können sie auch nicht.

4 Gedanken zu “Gedanken zum Abschied

  1. Herr Lußem,

    ich möchte mich bei Ihnen für den sehr lustigen und ehrlichen Blog bedanken. Ich werde in den nächsten Jahren bestimmt einen Urlaub in Polen verbrigenen.

    Vielen Dank

    Marc

  2. Besten Dank für den tollen Blog, welcher schön aufzeigte, wie vielfältig die Gastgeberländer sind (und nicht bloss von den negativen Angelegenheiten berichtete, wie die meisten Boulevardblätter).
    Ein Urlaub in Polen und der Ukraine lohnt sich allemal, auch wenn es in der Ukraine bez. Infrastruktur noch einiges nachzuholen gilt.

  3. Wie immer ein netter Artikel mit Witz und Charme, wie der gesamte Blog. Ich habe viel gelesen und mich ordentlich amüsiert und über manche Sachen geärgert. Aber das Polen eine Reise wert ist, dass kann ich bestätigen! Machen Sie weiter so!

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