Menschenauflauf statt Makkaroni-Auflauf

Kiew rückt immer mehr in den Fokus, nach der Partie in Warschau heute Abend gibt es eben nur noch diese eine Partie im Stadion “Olimpiski” der ukrainischen Hauptstadt. Während sich der ein oder andere seit Wochen überlegt, wie er zwar Fußball live sehen, aber auch dem ukrainischen Staatschef öffentlichkeitswirksam aus dem Wege gehen kann, treiben hart arbeitende Journalisten ganz andere Probleme um. Weil sie während der Spiele nicht vom Top-Class-Caterer versorgt werden, müssen sie sehen, wo sie vorher etwas abkriegen. Kollege Hardy Hasselbruch, unser Mann in Kiew, hat da auch was gefunden. Schon gleich zu Beginn der EURO. Geniale Lage, aber versehen mit einer Menge Tücken. Aber: Lest selbst!

Menschenauflauf statt Makkaroni-Auflauf

Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Es gibt weiß Gott nicht wenige Restaurants in Kiew. Bevorzugt werden natürlich jene, die wenigstens über eine englische Übersetzung der Speisekarte verfügen. Selbst da kommen häufig genug noch die eine oder andere Überraschung auf den Teller. Nun ja: andere Länder, andere Sitten! Sei’s drum, es gibt Schlimmeres.

Mit einem Restaurant scheinen wir (ein paar Kollegen und ich) aber überhaupt kein Glück zu haben. Dabei hat es für die tägliche Arbeit eigentliche eine geniale Lage. Vis-à-vis des Media-Centers im Palats Sportu, dem Sportpalast zu Kiew, wo gewöhnlich ein Eishockeyteam unterwegs ist, und praktisch neben dem Olimpiski-Stadion, dort wo die EM-Spiele in der ukrainischen Hauptstadt ausgetragen werden, liegt ein kleines, neues Restaurant mit Außenterrasse. Wohl gerade rechtzeitig zur EURO, wie so vieles hier, noch fertiggeworden.

Zu Beginn des Turniers fehlte der unerlässliche Bildschirm draußen, um die laufenden Spiele zu beobachten. Der hing dann zwei Tage später an der Wand. Wie von Zauberhand angebracht. Antennen- und Stromkabel improvisiert durchs Fenster gelegt, aber ein passables Bild. Alles comme il faut – so wie man’s braucht. Dafür kam aber das Essen nicht. Als die Iren gegen die Italiener schon müde waren, da warteten wir noch immer. Wenigstens irgendwas zwischen die Zähne. Irgendwann kam eine mehr schlecht als recht radebrechende Bedienung mit Riesenohren und beichtete, dass die Bestellung wohl vergessen worden sei. Als sie dann kurz vor Mitternacht nachgereicht wurde, war es fast egal, dass die Hähnchenbrust einem Schnitzel gleich auf dem Teller lag und dass der “Spicy Reis” ernüchternd weiß und fad danebenlag – ohne einen Anflug von Gewürz. Na ja, der Hunger treibt’s hinein…

Am vergangenen Donnerstag dann der dritte Anlauf, einfach auch der guten zentralen Lage geschuldet. Aber auch da hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Doch der konnte, diesmal ausnahmsweise nichts dafür. Im Dachstuhl des Hauses war ein Feuer ausgebrochen. Und die hiesige Feuerwehr wässerte das Gebäude kräftig von oben – mit mehr oder weniger untauglichen Versuchen. Die Feuerwehr-Fahrzeuge machten den Eindruck, als wären sie gerade noch heil vom Afghanistan-Krieg zu den Endzeiten der UdSSR zurückgekehrt. Der Rest war Staunen: Menschenauflauf statt Makkaroni-Auflauf.

Bei den Wassermengen, die recht lieb- und planlos in das Haus gejagt wurden, steigt die Befürchtung, dass das Etablissement nicht mehr rechtzeitig abgetrocknet ist bis zum Finale in Kiew. Dann müssen wir uns halt was anderes suchen…

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